Eine Enkelin eines Arbeitskollegen der Freundin des Opas meines Fußpflegers erlebte folgende Geschichte:
"Am Dienstag hatte ich ein Vorstellungsgespräch bei einer in Berlin ansässigen Telemarketing Firma. Sieben Menschen in meiner oder einer ähnlichen Situation, geld- und arbeitslos und wie ich sagten sie: "Für eine überschaubare Zeit ist es ja egal was ich mache, hauptsache ich verdiene Geld". Wir wurden schnell eines besseren belehrt. Aber der Reihe nach:
Zwei der sieben Menschen wurden gleich nach dem Gespräch gekickt ("ich habe eine gute Menschenkenntnis und - glauben Sie mir - Sie sind nicht für diesen Job geeignet"), die restlichen wurden zu einer Schulung eingeladen, meine war heute früh um 8:00h. Netterweise ist die Schulung für mich kostenfrei - ich bekomme zum Nulltarif eine Schulung, wie ich in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen abzocke. Man könnte es auch andersrum formulieren - unentgeltlich. Also der erste Arbeitstag für lau.
Die ersten zwei Stunden dienten der Produktschulung. Tarif XY ist der, den wir anbieten sollen, beinhaltet dies und jenes, kostet so und so viel, inhaltlicher Kram. In dieser Zeit wurde aber schon mehrmals auf Strategien hingewiesen, à la "Reizwörter wie Kosten, Vertrag, bezahlen vermeiden Sie selbstverständlich, stattdessen sagen Sie volle Kostenkontrolle oder Pauschale. Im Anschluss kam dann die volle Breitseite Kundenverarsche. Einwandbehandlung wie folgt:
Kundin: Das kann ich nicht allein entscheiden.
CCA (Call Center Agent): Frau ... das können Sie bestimmt selbst entscheiden, ich kann mir nicht vorstellen dass Ihr Mann etwas gegen Sparen hat.
- naja, aber vielleicht gegen P*imaCall?
Kunde: Ich schließe generell nichts am Telefon ab.
CCA: Da wir ein Telekommunikationsunternehmen sind liegt es doch sehr nahe, dass wir unsere Kunden telefonisch informieren.
- 1. Bezwingende Logik, 2. Einwand nicht behandelt.
Kunde: Ist das jetzt hier schon verbindlich?
CCA: Ich nehme Sie natürlich nur auf, wenn Sie den Tarig auch nutzen möchten. In 1-2 Tagen erhalten Sie ja noch einen Rückruf von einem Mitarbeiter, selbstverständlich können Sie ihm alle Fragen stellen.
- Sechs, setzen. Richtige Antwort wäre gewesen: ja (soweit ich weiß, jedenfalls behandelt es Prim*Call wie ein JA.)
usw. usf.
Dann bekamen wir noch Besuch vom Datenschutzbeauftragten. Der war allerdings eher dazu da, die Information über die Erhebung der Daten vor uns zu schützen... Meiner Frage, ob denn die Angerufenen schon mal den Namen Pri*aCall gehört hätten (bei ihrer angeblichen Zustimmung zu einem Anruf aus dem Hause) wich er aus, betonte nur die (mir doch sehr sicher erscheinende) Sicherung der Daten im Hause (auf verschiedenen Servern usw.), wobei der Aspekt vernachlässigt wurde, wo sie denn nun genau herkommen. Vielleicht wusste er das selbst nicht so genau....
Und dann gings auch schon ans Telefonieren. Das geht so: Ich habe ein Headset auf und bekomme einen Anruf durchgestellt, den ein Computer für mich gewählt hat. Ich höre nicht wenn jemand abnimmt, ich höre nur einen Pieps, der mir signalisiert, dass irgendjemand abgenommen hat. Ob das Frau, Ehemann, Kind oder Hund ist weiß ich nicht. Dann versuche ich denjenigen zu überzeugen, dass sein Telek*manschluss viel zu teuer für ihn ist und er besser bedient ist, wenn er zu Prima*all wechselt. Dabei gilt natürlich immer "Sie müssen sich mit dem Produkt identifizieren und selbst davon überzeugt sein". Stimmt natürlich generell, bin ich aber nicht. Was soll ich mit einem Anschluss, bei dem ich 16,37 an die DTAG zahle und 16,95 an PC, noch dazu mit 24 Monaten Laufzeit, wenn ich für 29,90 bei Alic* das ganze inklusive Internetflat kriege?
Gut, nach einer halben Stunde hatte ich 12 Leute angerufen und die Schnauze voll.
Zusammen mit meiner Sitznachbarin bin ich geflohen, wir waren bei St*rbucks (die suchen auch MitarbeiterInnen) einen Kaffee trinken und haben uns bestärkt, unsere Moral beim nächsten Job doch nicht an der Tür abzugeben."
Fazit:
Immer noch keinen Job, dafür eine Freundin gefunden.
Und pädagogisch wertvoll mit Kant ausgedrückt: Was du nicht willst dass man dir tut ...
_______
Üprigenz:
"Prima abgezockt mit *rimaCall" von mein-Parteibuch:
... Anwalt Sven Krüger, der demzufolge praktischerweise unter der gleichen Adresse wie die Prim**all residieren soll ...
CCA von PC packt aus (ich hatte auch schon einen Kreis auf meiner Aktiv*erungsliste)
last but not least: Unterlassungserklärung
20. August 2008
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5 Kommentare:
wäre das nicht ohne nennung der firmennamen gegangen? denn die "anonymisierung" ist ja wohl nicht so doll
der Daten"schützer"
Warum sollte denn der Firmenname nicht genannt werden???
Ganz einfach: Weil es genug Anwälte gibt, die sich ihr Geld damit verdienen, solche Veröffentlichungen zu verfolgen und mit Unterlassungsklagen von z.T. mehreren Tausend Euro Strafe drohen.
Deshalb!
Alles klar?!
Deswegen habe ich ja die *s gemacht, damit man danach nicht googeln kann. Und wer ist eigentlich anonym??
@Anonym1:
wohl weniger bei einem Erfahrungbericht der zudem nichts anderes berichtet, als das, was andersinstanzlich ohnehin schon festgestellt wurde.
Ja, hier alles klar, danke der Nachftrage
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