2. Juni 2008

Angst vor der Angst

Die Cenoten in der Umgebung verlieren einfach nicht an Reiz, geht gar nicht. Gestern waren Arturo und ich an drei Stueck, die hintereinander liegen. Eigentlich muss man mit so eine Bimmelbahn fahren, Karren auf Schienen, von Pferden gezogen, da es 12 km sind und die einem dann viel Geld dafuer abknuepfen, dass sie einen fahren und an jeder Cenote ne halbe Stunde warten. Wir wollten aber laufen, was allein schon in Arbeit ausartete, weil die uns nicht durchlassen wollten. Das sei zu gefaehrlich, wegen den Karren, die da immer durchfahren, ausserdem gaebe es ein Gesetz, nach welchem man da nur mit Karren fahren duerfte. Aha. Nach ner halben Stunde Diskussion im Regen (also er, ich nicht), durften wir dann doch durch. Die 12 km waren aber gar nicht so lang. Auf dem Hinweg schon, da sind wir sie am Stueck gegangen um dann auf dem Rueckweg bei den Cenoten nacheinander anzuhalten und so lang dazubleiben wie wir Bock haben. Die erste war schon super (Bolonchoojol), total dunkel, ziemlich tief, so dass man durch ein kleines Loch steigen musste. Unten hat man fast nix gesehen am Anfang (spaeter dann doch, wegen die Augen, gell). Es war ein runder See, und in der Mitte war unter Wasser ein grosser Steinhaufen, an der Stelle wo die Decke eingestuerzt war. Das fuehrt dazu, dass an den Raender der Teich _echt tief_ war. Das Loch wo Licht durchkam war nicht ganz in der Mitte, so dass es an der einen Wand _echt dunkel_ war. Ich bin erst allein hingeschwommen, hab mich dann aber nicht weitergetraut... Dann hab ich Arturo geholt und wir sind zusammen noch mal hin, aber haben uns auch nicht bis an die Wand getraut... Man schwimmt ganz kuhl drauf zu, je weiter man der Wand kommt desto langsamer wird man, und irgendwann dreht man sich ganz schnell um und schwimmt wieder zurueck, das Monster im Wasser dicht auf den Fersen... Wir ueben, keine Angst vor der Angst zu haben...

In der zweiten Cenote (Chansinic'che) konnte ich das gleich nochmal ueben. Da war ebenso ein Loch in der Decke, allerdings noch ein Stueck hoeher als das erste (13m) und ohne Schotter auf dem Boden, so dass man runterspringen konnte. Und an der Seite stand ein Baum, dessen Wurzeln bis ins Wasser ragen. Arturo fragte recht schmunzelnd, ob ich Kraft in den Armen haette, dann koennten wir da hochklettern. Haha. Ich war doppelt so schnell wie er, aetschbaetsch.
Ja, und dann sass ich da oben, er ist wieder runtergegangen, die Treppe, und ich wollte eigentlich springen, und hab mich dann wieder ein bisschen mit meiner Angst beschaeftigt. Hab nachgedacht ueber 1000 Sachen, hab mir ueberlegt, dass es eigentlich nichts gibt, was dagegen spricht, ausser irgendwas in meinem Kopf. Die Angst. Miedo ist die Angst vor sowas. Temor ist begruendete Angst, wie Hoehenangst oder Angst vor schwarzen Maennern im Dunkeln. Miedo ist mehr mystisch.
Naja, hab sicher ne halbe Stunde da gesessen, und Arturo war unten, und noch so ein paar chicos, die laufend dumme Sprueche gemacht haben, aber selbst nicht gesprungen sind... Maenner (Jungs) sind doch auch in jedem Land der Erde gleich...). Irgendwann waren sie dann weg, Arturo kam hoch und wollte schon mal langsam gehen. Und ich wusste, wenn ich nicht springe, aergere ich mich hinterher drueber, und wenn ich springe, werde ich mich hinterher super fuehlen. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr nachgedacht habe, sondern nur bei mir war und mir keine Fragen mehr gestellt habe, und da konnte ich springen. Und ja, es war TOTAL GEIL! ;-)

Abends kam dann ein Freund von Arturo her und wir haben uns ueber Angst unterhalten. Sind zu dem Schluss gekommen, dass in solchen Situationen die Angst immer schlimmer wird, aber dass man in dem Moment kurz vor dem Sprung keine Angst mehr hat. In dem Moment ist einem alles egal. Man hat irgendwie dann keine Angst mehr vor dem Tod in diesem Minimoment. Und in der Sekunde des Falls ist man alles auf einmal. Man fuehlt und erlebt alles was man je gefuehlt hat und was man ist.
Es muss hier erwaehnt werden, dass dieses Gespraech auf spanisch stattgefunden hat ;-))

Hier noch Fotos von der Cenote, obwohl man nicht wirklich was erkennen kann, weil sie mit dem Handy gemacht sind:


(Das ist von flickr, deswegen besser,



Und so fuehlte es sich an:


Das Vieh haben wir auf dem Weg getroffen...


Die hier sind von der Cenote vor ein paar Tagen, wo Steve auch mit war:



Steve meint, das sei ein super Portrait von mir ;-) :


Das hier gefaellt Arturo besser (und mir auch):

2 Kommentare:

nora hat gesagt…

ach lenchen, wie spannend...liebe grüße aus dem windenden sonnigen endlich-frühlings-abisko (die knospen an den bäumen gehen auf) :)

Anonym hat gesagt…

An die Lena,
wer so etwas erleben darf bzw. erlebt, ist im Leben schon einen großen Schritt weiter. Du machst das alles richtig. StiPA.